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  • Thema: Wohnen an der Michelangelostraße
    Lage: Berlin-Pankow, Prenzlauer Berg
    Auslober / Auftraggeber: Land Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt / Bezirksamt Pankow von Berlin, Stadtentwicklungsamt
    Größe: 31 ha

    Kooperation: Breimann & Bruun Landschaftsarchitekten (Wettbewerb), Gruppe F Landschaftsarchitekten, GEO-NET Umweltconsulting GmbH, LK Argus GmbH Verkehrsplanung, KPI Planungsgesellschaft mbH (Entwurf)
    Leistungen: Städtebaulicher Ideenwettbewerb, 1. Preis, Ausarbeitung eines städtebaulichen Entwurfs als Grundlage für die Aufstellung eines Bebauungsplans

    Der städtebauliche Wettbewerb “Wohnen an der Michelangelostraße” zielte auf die Überprüfung möglicher Wohnungsbaupotenziale beiderseits der Michelangelostraße ab. Es sollte ein städtebaulich-funktionales Gesamtkonzept entwickelt werden, das sowohl die Nachverdichtung des bestehenden Wohnquartiers auf der Straßennordseite als auch ein neues Stück Stadt auf der Straßensüdseite ermöglicht. Die städtebauliche Struktur des Wettbewerbsgebietes geht auf ihre Phasen ihrer Entstehungszeit nach 1945 zurück. Im nördlichen Teilbereich handelt es sich um meist fünfgeschossige Zeilenbauten der 1960er Jahre sowie um in den 1970er Jahren errichtete Punktbauten mit bis zu 12 Geschossen. Hier geht es um eine behutsame Nachverdichtung unter Berücksichtigung der Lärmimmission von der Michelangelostraße sowie um die Weiterentwicklung der vorhandenen Qualitäten im Freiraum. Südlich der Michelangelostraße prägen die weitläufigen Stellplatzanlagen vor den angrenzenden 11-geschossigen Wohnbauten das heutige Erscheinungsbild. Hier kann bei Inanspruchnahme dieser Flächen ein neues Stadtquartier entstehen. (Bild oben: Collage, Fotos S. Ericco, U. Schwarz)

    Foto oben: Steffen Wörsdörfer, Luftfoto unten: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt


    1 Ideenwettbewerb

    Ziel unseres städtebaulichen Konzeptes ist es, aus drei Quartieren unterschiedlicher Prägung, den zwei bestehenden und dem südlich der Straße neu zu entwickelnden Quartier, eine zusammenhänge städtebauliche Struktur zu entwickeln, die mit einer spezifischen baulichen und landschaftlichen Ausformung ein attraktiver Bestandteil des Bezirkes wird. Unsere Konzept zielt auf die Stärkung und Aufwertung des Vorhandenen und die Ergänzung neuer Stadtbausteine und neuer Freiraumtypologien. Die bauliche Nachverdichtung soll Wohnraum für neu hinzukommende Bewohner bereitstellen, soll aber auch einen Gewinn für die derzeitigen Bewohner darstellen. Die Bebauung der Ränder des bestehenden nördlich gelegenen Quartiers soll sich nicht nur hinsichtlich des Schallschutzes positiv auswirken. Ein neues, differenzierteres Wohnungsangebot steht auch den derzeitigen Bewohnern zur Verfügung und macht auch das Umziehen innerhalb des Quartiers möglich. Trotz ich ändernder Bedürfnisse in den verschiedenen Lebensphasen wird es eher möglich sein, vor Ort zu bleiben. Das zusätzliche Wohnungsangebot wird ein umfangreicheres Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen, sozialen und kulturellen Angeboten nach sich ziehen.

    Durchlässige erkennbare Wegebeziehungen in Form kleiner Alleen stellen als neue Promenaden die Vernetzung der nördlich und südlich der Michelangelostraße gelegenen Quartiere her. Stadträumlich identifizierbare Quartiersplätze fungieren als Treffpunkte und als Orte der Nahversorgung für den täglichen Bedarf. Ein orthogonales Verbindungsnetz aus Straßen und Fußwegen gibt dem öffentlichen Raum mit pragmatischen Mitteln ein einfaches und doch spezifisches unverwechselbares Bild.

    Innerhalb des großzügigen zusammenhängenden Grünraumes nördlich der Michelangelostraße sollen neue Angebote für die Nutzung der vorhandenen Potenziale bereitgestellt werden. Der Freiraum soll “in Besitz genommen” werden. Die Bewohner der Erdgeschosse sollen den Außenraum möglichst direkt aus ihrer Wohnung erreichen können. Gemeinschaftlich genutzte Gärten prägen das Quartier. Ein Angebot für gemeinsames Gärtnern (“Urban Gardening”) gibt dem Quartier eine zusätzliche Qualität, die die Nutzung des Freiraums auch für Anwohner der Nachbarquartiere interessant werden lässt.

    Die großen bewaldeten Räume zwischen den großmaßstäblichen Gebäudescheiben sollen nicht durch kleinteilige Gestaltung und neu hinzugefügte Kleingebäude zerteilt werden. Die kleinen “Wälder” stellen ein besonderes Potenzial dar, auch für die Bewohner der umliegenden Quartiere.

    Im mittleren Bereich ist ein neues Quartier geplant, das als zentrales Bindeglied zwischen den nördlich und südlich gelegenen Quartieren dient. Eine Abfolge gefasster Stadträume bietet Treffpunkte für die Bewohner der Quartiere.

    In Fortsetzung des Straßenzuges Osloer Straße – Wisbyer Straße – Ostseestraße wird die Michelangelostraße als räumlich gefasste städtische Straße weitergeführt. Parallel zur Straße entwickelt sich eine Abfolge öffentlicher Platz-, Hof- und Gartenräume.

    Modellfoto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

    Die gewünschte Nachverdichtung findet nördlich der Michelangelostraße vor allem am Rand des Quartiers statt. Die Bebauung mit Geschosswohnungen verschiedener Wohnungsgrößen dient auch als Schallschutzmaßnahme für das bestehende Quartier. In den Erdgeschossen, insbesondere entlang der Greifswalder Straße, soll die Nutzung als Läden und Praxen möglich sein. Südlich der Michelangelostraße ist ein funktional gemischtes Quartier geplant, das zusätzliche städtische Funktionen bereitstellt und die Realisierung zusätzlicher Gebäudetypologien ermöglicht, die für verschiedene potentielle Bauinteressenten geeignet sein sollen.

    Im östlichen Bereich sind eine neue Grundschule und eine neue Sporthalle geplant. In Verbindung mit dem bestehenden Sportplatz und weiterer Ergänzungsbauten für Vereine und Jugendliche entsteht ein vielfältiges Sportangebot. Das Schulgebäude ist mit seinem Schulhof in die Abfolge neuer städtischer Freiräume entlang der Michelangelostraße integriert.

    Schwarzplan, Lageplan, Gesamtkonzept und Ausschnitt

    Innerhalb des großzügigen zusammenhängenden Grünraumes nördlich der Michelangelostraße werden neue Möglichkeiten für die Nutzung der Freiräume angeboten. Die Bewohner der Erdgeschosse sollen den Außenraum möglichst direkt aus ihrer Wohnung erreichen können. Ein Bereich für gemeinsames Gärtnern (“Urban Gardening”) schafft einen zusätzlichen Anreiz, die Freiräume “in Besitz” zu nehmen.

     

    2 Fachspezifische Analysen und Planungsziele

    Im Anschluss an das Wettbewerbsverfahren wurden Leistungen der städtebaulichen Planung beauftragt. Zunächst ging es um fachspezifische Bestandserfassungen, die Überprüfung des Wettbewerbskonzeptes auf Basis der fachspezifischen Analysen, die Integration neuer Programmbausteine in die Planung sowie die Diskussion der Planungsziele.

    Nutzungskonzept, Einordnung in das bezirkliche Einzelhandels- und Zentrenkonzept für Berlin-Pankow

    Der Kreuzungsbereich Greifswalder Straße / Michelangelostraße liegt im künftigen Erweiterungsbereich der bezirklichen Zentren, zwischen dem Stadtteilzentrum “Prenzlauer Berg, Greifswalder Straße-Nord” und dem Stadtteilzentrum “Weißensee, Berliner Allee”. Im Rahmen der städtebaulichen Entwicklung “Wohnen an der Michelangelostraße” ist es möglich, durch ein angemessenes Nutzungskonzept die Lücke zwischen beiden Zentren zu schließen. Die Planung sieht folgende gewerblich genutzte Flächen vor: Einzelhandel in den Erdgeschossen der neuen Gebäude entlang der Greifswalder Straße und im westlichen Bereich der Michelangelostraße,  gewerbliche Nutzungen in den Obergeschossen 1-2 der neuen Gebäude entlang der Greifswalder Straße und flexibel – auch gewerblich – nutzbare Flächen in den Erdgeschossen entlang der Michelangelostraße.

    KFZ Verkehrsstärken, Analyse der Knotenpunkte 7 h – 8 h / 15 h -16 h

    Parkraumangebot und Parkraumbelegung

    Die Parkraumbelegung wurde durch eine Zählung der parkenden Kfz im gesamten näheren Umfeld des Plangebietes ermittelt. Eine erste Erhebung fand am 9. September 2015 nachts um 3 Uhr statt. Der nächtliche Zeitraum wurde gewählt, weil zu dieser Zeit erfahrungsgemäß die meisten Bewohnerfahrzeuge abgestellt sind. Eine zweite Erhebung wurde am 28. Januar 2016 um 3 Uhr durchgeführt. Die gezählten Fahrzeuge wurden in Pkw-Einheiten umgerechnet, weil die unterschiedlichen Fahrzeugarten einen unterschiedlichen Flächenbedarf haben. Auf diese Weise wird berücksichtigt, dass ein Lkw mehr Fläche einnimmt als ein Pkw. Für die Berechnung des Parkraumbelegungsgrades wurde das am Tag der Erhebung tatsächlich zur Verfügung stehende Parkraumangebot herangezogen.

     

    Technische Infrastruktur

    Bewertung des Bestandes der technischen Infrastruktur, Leistungsgrobeinschätzung Fernwärme, Strom, Wasser, Abwasser für die geplante Bebauung, Konsequenzen aus vorhandener technischer Infrastruktur für die Neubebauung, Schlussfolgerungen für Bebauung und Bepflanzung, Abstimmungen mit betroffenen Leitungsverwaltungen, Kostenschätzung für Um- und Neubau der technischen Infrastruktur

    Biotoptypenkartierung

    Die untersuchten Freiflächen im Planungsgebiet werden vor allem durch gepflanzte Baumbestände mit Strauchunterpflanzungen oder Rasenflächen geprägt. Zwar sind diese häufig auch mit ruderalen Gehölzen, Kräutern und Gräsern durchsetzt, doch Flächen mit vorherrschender Ruderalvegetation oder aufkommenden Gehölzbeständen sind nur vereinzelt vorzufinden. Neben den großflächigen Scherrasen kommen auch einzelne Trittrasenflächen vor sowie zwei angelegte Wildwiesenbereiche. Darüber hinaus sind Sport- und Spielflächen zu nennen. Einen großen Flächenanteil nehmen zudem die Verkehrsflächen ein.

    Faunistische Potential- und Gefährdungsanalyse, Abbildung: Fledermäuse und Brutvögel

    Kartierungen der Lebensräume, Planungsempfehlungen und Möglichkeiten der Kompensation von Flächen, die im Zuge der Bebauung wegfallen.

    Belange der Grundstückseigentümer und Anwohner

    Die Anwohner übten im Gästebuch zur Ausstellung des Wettbewerbsergebnisses, in den Ausschusssitzungen des Bezirks, während der Informationsveranstaltung in der Gethsemanekirche sowie in Internetforen Kritik an der geplanten Bebauung. Die kritischen Meinungsäußerungen der Anwohner konzentrieren sich hinsichtlich ökologischer Gesichtspunkte auf folgende Inhalte: Vernichtung von Grünflächen, Fällen von Bäumen, Verbauen der Frischluftschneise (Kaltluftvolumenstrom),  Zunahme von Verkehr und Verkehrslärm.

    Notwendige Ausgleichsmaßnahmen werden in der Planung berücksichtigt. Der Einfluss der Bebauung auf den Kaltluftvolumenstrom wird im Zuge der vertiefenden Entwurfsplanung untersucht, wie auch die notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor Verkehrslärm. Die wird vor allem die neuen Wohngebäude betreffen. Die geplante Bebauung wird in hohem Maße Schutzfunktion für bestehende Wohngebäude übernehmen.

     

    3 Ausarbeitung Städtebaulicher Entwurf

    Auf Grundlage der fachspezifischen Analysen erfolgte die weitere Durcharbeitung zum städtebaulichen Entwurf. Sie dient wiederum als Grundlage für das Aufstellen von Bebauungsplänen. Inhaltliche Schwerpunkte der Bearbeitung waren das baulich-räumliche Konzept, die Gestaltung von Gebäuden und Freiflächen, die Integration der neuen Nutzungen in den städtebaulichen Entwurf sowie Überlegungen zu möglichen Bauabschnitts- und Grundstücksbildungen. Im Bereich der Verkehrs- und Erschließungslösungen ging es um Ermittlung, Verteilung und Umlegung des Verkehrsaufkommens, die Erstellung eines Stellplatzkonzeptes für die Neubauten sowie für die von der neuen Bebauung betroffenen Stellplatzflächen des Bestandes sowie um- Untersuchungen zu Fuß- und Radverkehr und zum ÖPNV.

    Trassierung der Michelangelostraße – Flächenpotentiale für die Bebauung und notwendiger Umfang für Straßenbau

    Im Rahmen des städtebaulichen Entwurfs wurden insgesamt vier Entwürfe zur Trassierung der Michelangelostraße entwickelt. Diese unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Lage und dem Verlauf der Straßenführung. Davon abhängig sind der resultierende Umfang der Um- bzw. Neubaumaßnahmen sowie die daraus folgenden Kosten der Realisierung der Entwürfe. Des Weiteren wurden für die einzelnen Entwürfe verschiedene Möglichkeiten der Gestaltung des Straßenquerschnitts diskutiert.

    Städtebaulicher Entwurf, Einordnung in die Stadtstruktur

    Ziel des städtebaulichen Entwurfs ist es, aus drei Teil-Quartieren unterschiedlicher Prägung einen gemeinsames Quartier zu entwickeln, das in Zukunft ein attraktiver Bestandteil des Bezirkes wird. Die städtebaulichen Strukturen der bestehenden Teil-Quartiere werden erhalten und miteinander vernetzt. Die Konzeption zielt auf die Stärkung und Verbesserung des Vorhandenen durch die Ergänzung neuer Stadtbausteine und neuer Freiraumtypologien. Durch die Implantation neuer “Stadtbausteine” soll das Gesamtgefüge gestärkt werden. Die bauliche Nachverdichtung soll neuen Wohnraum für neu hinzukommende Bewohner bereitstellen, soll aber auch einen Gewinn für die derzeitigen Bewohner darstellen. Die Bebauung der Ränder des Quartiers soll sich nicht nur hinsichtlich des Schallschutzes für das Quartiersinnere positiv auswirken. Die neue Michelangelostraße wird als großzügiger städtischer Boulevard das “Rückgrat” des neuen Quartiers.

    Boulevard

    Der Umgang mit der bestehenden Michelangelostraße wurde anhand verschiedener Planungsszenarien behandelt und diskutiert. Nach Abwägung von Vor- und Nachteilen wurde entschieden, einen Neubau der Michelangelostraße zu planen. Dabei nimmt die Mittelachse der neuen Straße die Achse der Ringstraße (Ostseestraße) auf. Die neue Michelangelostraße wird als städtischer Boulevard geplant. Sie soll zum stadträumlichen und funktionalen Mittelpunkt des Quartiers werden. Der Straßenraum wird auf beiden Seiten durch eine sechsgeschossige Randbebauung gefasst. Auf der Nordseite der Straße übernimmt die lineare Bebauung eine vor Lärm schützende Funktion für das bestehende Wohnquartier. Auf der Südseite bleibt genügend Raum für die Realisierung einer linearen Abfolge von Blockstrukturen. In den Blöcken entstehen grüne Innenhöfe, zwischen den Blöcken kleine Platzräume.

    Tore

    An beiden Enden der Michelangelostraße sind ergänzend zu hohen Gebäuden des Bestandes neue genau so hohe neue Baukörper geplant, so dass jeweils ein “Tor” zum neuen Quartier erkennbar wird.

    Einfassung

    Das bestehende Quartier nördlich der Michelangelostraße wird mit Straßen begleitenden Bebauungen räumlich gefasst. Im Westen entstehen an der Greifswalder Straße gemischt genutzte Stadthäuser, die Häuser im Osten, ruhiger gelegen an der endenden Kniprodestraße, entstehen reine Wohngebäude.

    Objekte

    Von den Blockbebauungen und linearen Randbebauungen unterschieden sind Objekt-artige Baukörper mit differenzierterer Baukörpergestaltung und Höhenentwicklung. Ein Baukörper mit gewerblicher Nutzung ist direkt am Knotenpunkt Michelangelostraße / Greifswalder Straße platziert. Im östlichen Bereich liegen die Baukörper für Schule und Sporthallen.

    Ergänzungen

    Einzelne Gebäude ergänzen die vorhandene städtebauliche Struktur des bestehenden Quartiers: Ein Gebäude mit nach Süden geöffnetem Hof greift die vorhandenen Typologien an der Gürtelstraße auf, zwei Gebäudezeilen setzen die vorhandene Abfolge linearer Gebäude fort.

    Nutzungskonzept

    Den Nutzungen der Erdgeschossflächen wird eine besondere Gewichtung gegeben. Die lichten Raumhöhen in den Erdgeschossen der neuen Gebäude entlang der Michelangelostraße sollen so bemessen sein, dass sie grundsätzlich flexibel nutzbar sind. Darüber hinaus sollen auch Potenziale unterschiedlicher Organisationen wie Hoch- und Tiefparterres oder Galerie-Halbgeschosse genutzt werden. Es wurde über ein Belegungsmanagement nachgedacht werden mit dem Ziel, eine Vielfalt aus Klein- und Kleinsteinheiten zu fördern. Es sind möglichst vielfältige Nutzungen in den Erdgeschossen vorzusehen, die für ein lebendiges städtisches Quartier von Bedeutung sind und die Gebäude mit den öffentlichen Räumen verknüpfen. Nicht jede Nutzung im Erdgeschoss kann und soll ein klassisches Ladengeschäft sein. Es geht auch darum, alternative Nutzungsprogramme aufzulegen, wie Dienstleitungen, Werkstätten, soziale Klein-Zentren Kinderläden, Seniorentreffs), ebenerdige Wohnangebote, transparente Eingangsbereiche.

    Auf den Ergebnissen des städtebaulichen Wettbewerbs aufbauend wurde dem städtebaulichen Entwurf die Zielvorstellung von 1500 neuen Wohneinheiten im Planungsgebiet aufgegeben. Die zu planende Bruttogeschossflächenzahl ergibt sich durch die Vorgabe des Senats für Stadtentwicklung und Umwelt, dass für eine Wohneinheit eine BGF von 100 m² zu berechnen sind. Der Wohnusanteil ist wie folgt geplant: 1-Raum-WE bis 50 m² mit einem Anteil von ca. 10%, 2-Raum-WE bis 70 m² mit ca. 30%, 3-Raum-WE bis 80 m² mit ca. 25%, 4-Raum-WE bis 110 m² mit ca. 30% und 5 bzw. 5+-Raum-WE bis 130 m² mit ca. 5%.

    Des weiteren wurde in der Entwurfsphase der die Planung gemäß Wohnungsschlüssel mit der Lage der Wohnungen im Planungsgebiet abgestimmt (Himmelsrichtung, Lärm, Verbindung mit den Freiräumen, Erschließung).

    Baulich-räumliche Fassung der Michelangelostraße und Verteilung der Nutzungen

    Querungen der Michelangelostraße und Regelquerschnitte

    Die Konzeption der Verkehrslösung umfasst die Anbindung des Plangebietes an das Hauptstraßennetz und die Erschließungsstraßen für den Kfz-Verkehr und den Rad- und Fußverkehr. Im Sinne einer integrierten Verkehrsplanung sind die verschiedenen Verkehrsmittel in Beziehung zu- und miteinander zu betrachten. Vor dem Hintergrund der Reduzierung von verkehrsbedingten Emissionen kommt dem Umweltverbund, bestehend aus dem Rad- und Fußverkehr sowie dem ÖPNV eine besondere Bedeutung in der Konzeption der Verkehrslösung zu.

    Bei der Konzeption sind folgende Gestaltungsziele maßgeblich:
    - Leistungsfähigkeit für den Kfz-Verkehr entlang der neuen Michelangelostraße und insbesondere der Knotenpunkte
    - Sicherheit für den Fuß- und Radverkehr durch ausreichende Querungsmöglichkeiten
    - Bündelung der Anbindungen der neuen Gebäude und der Sammelanlagen
    - Kurze Wege zum Hauptstraßennetz, um die Verkehrsbelastung gering zu halten

    Im Neuentwurf der Straße soll der Straßenraum übersichtlich sowie angemessen zwischen den Verkehrsarten aufgeteilt werden. Dazu soll die Trassierung beider Richtungsfahrbahnen geradlinig verlaufen. Am westlichen Ende der Straße ist eine Anpassung der neuen Trassierung an den bestehenden Querschnitt des Knotenpunktes Greifswalder Straße / Ostseestraße / Michelangelostraße erforderlich. Die Gestaltung des Querschnitts der Michelangelostraße als übergeordneter Hauptverkehrsstraße mit mehr als 30.000 DTV im Jahr 2025 muss folgende Bestandteile umfassen:

    - zwei Fahrbahnen je Richtung,
    - ein Radfahrstreifen je Richtung,
    - Gehwege, die Raum für den Zugang zu den Gebäuden und für passierende Fußgänger bieten,
    - straßenbegleitende Parkstände,
    - Mittelstreifen mit ausreichender Breite, damit sich abbiegende Fahrzeuge an Knotenpunkten oder Wendestelle aufstellen können,
    - Bepflanzung von Bäumen auf dem Mittelstreifen, sowie seitlich der beiden Fahrbahnen zur städtebaulichen Aufwertung der Hauptverkehrsachse

    Neuplanung der Knotenpunkte Michelangelostraße/Greifswalder Straße und Michelangelostraße/Kniprodestraße



    Freiraumtypologien
    privat genutzte Grünflächen und Terrassen / gemeinschaftlich genutzte Grünflächen / öffentliche Grünflächen / öffentliche Spielplätze / öffentlich genutzte Plätze / Freiflächen für Kindergärten und Schule / Flächen für Vereinssport / ökologische Ausgleichsflächen



    Baumbilanz
    bestehende und entfallende Baumstandorte / Baumpflanzungen auf öffentlichen Flächen

    Maßnahmen zur Aufwertung des verbleibenden Vegetationsbestandes

    Schaffung von Standorten für Mager- und Trockenrasen
    Die im Gebiet angelegten Wildwiesen stellen bezüglich ihrer Biotop- und Artenausstattung die wertvollsten Flächen des Untersuchungsbereiches dar. Gemäß der vorliegenden Planung ist ihr Erhalt nicht möglich. Daher ist eine Kompensation des Verlustes durch Aufwertung verbleibender Wiesenstandorte sowie die Neuanlage möglicher Flächen für Trocken- und Magerrasen vorzusehen.

    - Nach Möglichkeit Erhalt bestehender Teilflächen der vorhandenen angelegten Wildwiesen.
    - Entwicklung der ruderalen Wiese zwischen Sportplatz und Kniprodestraße zu einer ruderalen Wiese artenreicher Ausprägung bis hin zu Trocken- und Magerrasen
    - „Impfen“ der Fläche mit Arten der angelegten Wildwiesen (durch Einbringen von deren Mahdgut / Einsetzen von Wiesenplaggen / Aussaat)

    Zur Gewinnung der gewünschten Artenzusammensetzung ist die Mahdgutübertragung aus bereits vorhandenen gut entwickelten Beständen eine bewährte Methode. Bei der Mahdgutübertragung ist es wichtig, dass geeignete Spenderflächen in näherer Umgebung vorhanden ist, welche mit den Standortverhältnissen der Empfängerfläche möglichst übereinstimmen. Dies ist durch die vorhandenen angelegten Wildwiesen gegeben. Saatgutmischungen sollten gebietsheimisch und an die Standortverhältnisse angepasst sein. Die vorhandene Wiese wird nicht flächig umgebrochen, sondern mit einer leichten Fräse oder Wiesenegge ausgestriegelt. In den dabei entstehenden Lücken der Grasnarbe kann sich die Initialsaat entwickeln.

    - Pflege durch einschürige Mahd und Aushagerung durch Abtransport des Mahdgutes
    - Entwicklung von Scherrasenflächen zu Trocken- und Magerrasen
    - Anlage von extensiven Dachbegrünungen

    Pflanzung von Gebüschen aus heimischen Gehölzen
    Die im Gebiet vorhandenen Strauchpflanzungen sind aufgrund des sehr hohen Anteils an Ziersträuchern von nur geringem Wert für den Arten- und Biotopschutz. Insgesamt wachsen derzeit im Untersuchungsraum nur sehr wenige heimische Sträucher. Da heimische Straucharten als Nahrungs- und Lebensraum sehr wertvoll für Insekten und Vögel sind, ist hier ein hohes Aufwertungspotential gegeben. Folgende Maßnahmen werden vorgeschlagen:

    - Anlage mehrstufiger Gebüschsäume an Grundstücksrändern
    - Anlage von Gebüschinseln unter Baumbeständen
    - Punktuelle Entnahme von Ziersträuchern und Ersetzen durch heimische Straucharten


    Untersuchungen zum lokalen Klima
    Temperaturen zwischen 14 h und 15 h nachmittags/zwischen 2 h und 3 h nachts, Vergleich der bestehenden Situation und der Planungssituation


    4 Ausblick

    Nach Abschluss des städtebaulichen Entwurfes sehen wir für die anschließende Stufe des Projektes folgende inhaltliche Schwerpunkte:

    Nutzungskonzept
    - Konkretisierung des Nutzungskonzeptes mit Aussagen zu gewünschten Wohnungsbautypologien, beteiligten Akteuren und angestrebter sozialer Mischung im Quartier

    Verkehr und Erschließung
    - Überlegungen über die Integration neuer Mobilitätskonzepte (Fuß- und Radverkehr, ÖPNV, Carsharing)
    - Abgleich des Mobilitätskonzeptes mit der Anzahl notwendiger KFZ – Stellplätze
    - Abgleich der verkehrlichen Planung mit den Ergebnissen des “ISEK Greifswalder Straße”

    Technische Infrastruktur
    - Bestandserfassung der Medien mittels technischer Verfahren, in Zusammenarbeit mit den Leitungsträgern
    - Entwicklung eines Konzeptes zum Umgang mit dem anfallenden Regenwasser

    Ökologie
    - Umgang mit dem im Planungsgebiet anfallenden Regenwasser
    - Analyse der klimaökologischen Auswirkungen , Ist- und Planzustände mittels Modellierung, Simulationen und Rechenläufen

    Städtebau
    - Einarbeitung des detaillierten Nutzungskonzeptes (Wohnungstypologien) in die geplante Bebauung (Vielfalt von Wohnungsangeboten, soziale Mischung, Bauherren und Akteure)
    - Ausarbeitung eines gestalterischen Konzeptes vor dem Hintergrund der ausgearbeiteten Mischung von Gebäude- und Wohnungstypologien
    - Untersuchung von Gebäudetypologien, die geeignet sind, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen
    - detaillierte Untersuchungen zur Bebauung hinsichtlich Belichtung und Besonnung (Vertiefung der Studien zu baulich-räumlichen Lösungen)
    - Abgleich mit den Ergebnissen des “ISEK Greifswalder Straße”